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September 2021

Die Kraft der Fäden zwischen Leben und Lektüre: I Get A Bird

Die Gedanken werden klarer, wenn man sie für jemanden formuliert. Auch kleine Gedanken finden Raum. Die unwichtigen. Ach. Was sind überhaupt wichtige Gedanken?

Wir kommen mit allem zurecht, außer mit der Ohnmacht.

Wie schreiben über ein Buch, das einen sprachlos macht? Seit zwei Wochen liegt „I Get A Bird“ auf meinem Schreibtisch und ich umkreise es wie ein gefährliches Tier. Gefährlich im Sinne von überwältigend, erschöpfend, einen verändernd. Auch während der Lektüre gab es diese Momente. In denen ich mich nicht getraut habe, es zur Hand zu nehmen und aufzuschlagen. Dünnhäutige Momente, Momente, in denen ich mich seiner Wucht nicht gewachsen fühlte.

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Juni 2021

Geboren im Trotzdem: Das Schweigen der Zypressen

Fest stand: Der Maler brauchte Hoffnung. Der Maler wusste, dass auch andere da draußen lechzten. Er wusste: Die Hoffnung stirbt immer zuerst. Leise. Also pflanzte der Maler einen Baum.

Diese Sätze stammen aus der ersten Passage des Buches „Das Schweigen der Zypressen“. Es ist in einer Zeit entstanden, in der die Hoffnung viele Male gestorben und wieder auferstanden ist, nicht nur bei mir und Kornelius Wilkens. Viele Hoffnungen wurden ganz aufgegeben, andere wurden geboren, Hoffnungen, von denen wir uns im Traum nicht hätten vorstellen können dass wir sie einmal hegen würden. Wieder ins Café gehen. Gäste empfangen. Einander berühren. Zusammen über einer Idee brüten, zum Beispiel einem neuen Buch.

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Mai 2021

Warme Croissants und kalte Morde – Louise Pennys Krimis

Und wieder sah er das entzückende Bistro vor sich und den freundlichen Mann mit dem Messer.

Three Pines findet man nicht, Three Pines findet einen. Auch mich hat das kleine Dorf in den Wäldern von Quebec gefunden und ich habe viele Tage dort verbracht. Gute, helle Tage, trotz der düsteren Ereignisse, die den Ort in verblüffender Anzahl regelmäßig heimsuchen. So viele Tote, und eine Tat perfider als die andere. Dass die Bewohner der schmucken Häuser rund um den Anger weiterhin so vertrauensvoll und heiter beisammensitzen, essen und trinken, kann man nur bewundern.

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Februar 2021

Lass das Suchen, sie finden Dich. Vom Bücherkaufen

Als der Zug um 10:46 aus dem Bahnhof hinausfuhr, hielt sie den Kopf gesenkt vor Scham, dass die Stadt, die fast zehn Jahre lang ihr Wohnort gewesen war, keine Buchhandlung gewollt hatte.  Penelope Fitzgerald, Die Buchhandlung

Ein Satz, den man mehrmals lesen muss. Zumindest mir ging es so. Eine Stadt will keine Buchhandlung. Abgesehen vom traurigen Schicksals der Hauptfigur Florence, die so gekämpft hat und doch aufgeben muss, ist diese Tatsache doch das Erschütterndste. Und machen diesen letzten Satz zu einem der traurigsten, die man je gelesen hat.

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Januar 2021

Verwoben: Von Lebensbüchern und magischen Momenten

„Und Ulrich bemerkte nun, daß ihm dieses primitiv Epische abhanden gekommen sei, woran das private Leben noch festhält, obgleich öffentlich alles schon unerzählerisch geworden ist und nicht einem „Faden“ mehr folgt, sondern sich in einer unendlich verwobenen Fläche ausbreitet.“ – Robert Musil, MoE

Es ist wohl kein Zufall, dass das Kind seine ersten Schritte auf der unendlich verwobenen Fläche in dieser Zeit der Stille und des Stillstands getan hat.

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November 2020

Hauchzarter Stoff oder: Der Zukunfts-Soli

Ein paar Worte vorab. Ich bin mir der unendlichen Not, in die das Virus die allermeisten Menschen stößt, bewusst. Jeden Tag, jede Stunde. Habe selber schon tiefe Täler durchschritten und manchmal war’s knapp. Weitere werden folgen. Aber. Ich kann und will mich nicht beugen. Will nicht mehr weinen und fluchen. Will Kräfte freisetzen. Meine und die anderer. Daraus resultiert dieser Text.

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September 2020

Worte suchen und finden in der Sprachlosigkeit: Moria

Lass uns den Globus mit Frieden fluten

mit Demut, Licht und stillem Tanz.

Lass es uns aufhalten, das große Verbluten

gemeinsam und vor allem ganz.
Das Schreien der Kinder durchschneidet die Nacht

könnt Ihr sie hören? Ich schon.

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August 2020

Was für ein seltsames Jahr. Was war. Was bleibt. Was kommt.

Was heißt schon unscheinbar, wenn man genau hinschaut.

Ein augenöffnendes Buch. Das im Benjaminschen Sinne Empathie und Emphase verbindet. – Ilma Rakusa über „Farbe: Stadt“

Wo fange ich nur an? Es ist soviel passiert – und so vieles nicht. Blogbeiträge zum Beispiel sind nicht passiert.

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Februar 2020

Vom Trauern, Sterben und Leben: Herr Rudi und die anderen

Wenn die ganze Welt in den Hände zerbricht, wird es einen Moment zwischen Dir und dem Universum ganz, ganz still.  (Anna Herzig, Herr Rudi)

„Verknallte Grüße, euer Team von Voland & Quist“ heißt es am Ende der Verlags-Mail zum Erscheinen von „Herr Rudi“. Spätestens da wusste ich, dass ich Herrn Rudi kennenlernen muss.

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