Blog: Rezension

Oktober 2019

Die Kraft des Kontakts: 180 Grad

„Vielleicht sollten wir versuchen, den Anderen nur noch so viel Unterschiedlichkeit nachzusagen, wie sie tatsächlich verdienen. Aber um zu wissen, wie viel das ist, müssten wir sie kennenlernen.“ (Bastian Berbner: 180 Grad)

Vor genau einem Jahr stieß ich beim Weglesen alter Zeitungen auf einen Satz, der mich seitdem in Gestalt des damals ausgeschnittenen Artikels auf meinem Schreibtisch begleitet. An diesem 30. Oktober 2018 – das Datum habe ich rechts oben in der Ecke notiert – las ich eine Kolumne von Ulrike Gastmann in der ZEIT, eine dieser klugen Alltagsbeobachtungen, die leider schon länger nicht mehr erscheinen.

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September 2019

Wie übersetzt man „Umpfigkeit“? Zum Hieronymus-Tag

BASOREXIE: Der plötzliche Drang, jemanden zu küssen. ANTIZIPATION bedeutet, sich Freude zu stibitzen. Ein unbekümmertes Verbrauchen von Wonnen, die noch gar nicht gesichert sind. (Tiffany Watt Smith / Birgit Brandau (Übersetzung): Das Buch der Gefühle Stibitzen. Wie lange habe ich das Wort nicht gelesen. Und „Basorexie“ (sowie Liget, Kaukokaipuu, Ringxiety und viele mehr) kannte ich vor […]

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September 2019

Atemlos und sehr nah dran: Laufen

…du konntest immer Eis essen, auch im Winter. Wie kann man denn Dinge gerne tun und trotzdem nicht mehr leben wollen? Du wirst jetzt nie wieder Eis essen, hast Du da mal drüber nachgedacht? Ich muss langsamer laufen, es ist zu heiß, die Strecke ist zu lang. Ein ein aus aus aus. (Isabel Bogdan: Laufen) Auf […]

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April 2019

Wenn ein Haus lebt: Karosh Thahas „Krabbenwanderung“

„Sie hebt den Kopf und schaut mich an, wie keine Tochter auf der Welt angeschaut werden will.“ Und jetzt also Sanaa. Schon nach wenigen Seiten von Karosh Tahas „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ wusste ich, dass auch diese junge Frau neben etlichen anderen, die mir im Laufe des letzten Lektüre-Jahres begegnet sind, für immer im Leseherzen behalten […]

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April 2019

Bücher-Date: Synchronicity und Die Welt der Farben

„Ich brachte den (grauen) Lappen in meine (graue) Küche zurück, nahm dann meinen (grauen) Tee und nippte daran, während ich in mein (graues) Zimmer zurücklief.“ (Sharon Dodua Otoo, Synchronicity)  „Zu anderen Zeiten gehörte in die Garderobe der gutgekleideten Dame unbedingt ein pelzbesetzter Mantel in Haarbraun und ein Häubchen, verziert mit klatschmohnroten Federn und zitronengelber Sarsenettseide. Hin […]

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März 2019

Ein Jahrzehnt lesen und begreifen: Wolfszeit

„Wer konnte, tanzte.“  „Denn ungeachtet ihrer Einmaligkeit kann eine Epoche – auf ihre Struktur hin befragt – Momente der Dauer enthalten, die noch in unsere Gegenwart hineinreichen.“ (Reinhart Koselleck, Kritik und Krise) Sachbücher, zumal sehr dicke, haben es bei mir nicht ganz leicht. Nicht, weil ich nicht begierig wäre auf neues Wissen, andere Länder und […]

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März 2019

Musik Lesen: Ich kann Dich hören

Die Franck-Sonate in A-Dur: „Stabil und streng“. Mendelssohn Bartholdy: „Flink und federnd“. Dvořáks Konzert für Cello und Orchester: „Ein Gewitter!“ Doch der dritte Satz, er muss klingen „wie Nieselregen“… Der Titel von Katharina Mevissens Roman ist Programm und das ist schlichtweg überwältigend. Weil es so selten vorkommt, dass man Musik lesen kann. Töne beim Lesen hören, […]

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März 2019

Vom Behüten: Ab hier nur Schriften & Wachsen lassen

Gefühle sind und bleiben Kinder. (Timo Brandt: Entsagung der  bereiten Würmer) Ich wird mit meinem Gummiboot den Horizont erheitern. (Bettina Strang: Verschoben) „Solange es Menschen gibt, die wegen der Konkretheit von Regenschirmen einen Kloß im Hals haben, werde ich die Hoffnung, die ich so gerne lakonisch beiseite wische, nicht aufgeben.“ Vor einiger Zeit habe ich […]

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Februar 2019

Von den Arten der Liebe lesen: Frauenherz

„Kennen Sie Lamas? Dieses Vieh da hinter uns, das ist wohl die einzige Kreatur, die in dem ganzen Auflauf hier ruhig bleibt. Wird schon einen Grund haben. Es soll ihn angespuckt haben, den Kleinen. Bevor er vom Zaun gekippt ist. Haben Sie’s gesehen?“  Einer von vielen Gründen, diesen Blog zu beginnen, waren für mich die […]

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Februar 2019

Die Verwirrung feiern: Die Menschenfabrik

„Aber die Willensfreiheit!“ entgegnete ich – „Die ist bei den anderen auch nur ein Hirngespinst“ – Aber die süße Täuschung, sie zu besitzen!“ – Ihren Verlust spürt meine Rasse auch nicht.“ Diese Dialoge! Fast jeder lässt einen innehalten. Verblüfft, erhellt, verwirrt. Doch es gibt auch sehr viele schöne Sätze in diesem schmalen Band, deswegen ein […]

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